2000 Jahre Schlacht im Teutoburger Wald

In diesem Spätsommer jährt sich zum 2000. Mal die legendäre Schlacht im Teutoburger Wald. An der Spitze eines germanischen Heeres schickte der Cheruskerfürst Arminius mit seinen verbündeten Stämmen (Chauken, Brukterer, Marser) in einer viertägigen Schlacht drei römische Legionen plus Reiter und Troß in die Unterwelt. Letztes Wochenende wurde dieses Ereignis in Kalkriese im Osnabrücker Land nachgestellt. Meine Familie war dabei – natürlich auf Seiten der Germanen!

Beliebt waren sie nicht die Römer und ihre neue Ordnung schon gar nicht. An Arroganz fehlte es ihnen ebenfalls nicht und so kam es, daß der Statthalter Germaniens, Quinctilius Varus, schnell als oberster Verwaltungsbeamter „Wandel“ schaffen wollte. „Er gab ihnen Befehle,“ so der römische Chronist Dio Cassius, „als ob sie seine Sklaven seien, und verlangte von ihnen wie von Untertanen Steuern. Das ließen sie sich aber nicht gefallen. Die Fürsten wollten ihre einflußreiche Stellung nicht einbüßen, und die große Masse des Volkes zog die gewohnte Ordnung der Dinge der fremden Zwingherrschaft vor.“
Anführer der Germanen war der Cherusker Arminius, der als Kind in römische Geiselhaft kam und in Rom erzogen wurde. Er lernte die Sitten und Rechtsprechung der Römer kennen, wurde sogar zum Bürger und Ritter gemacht, aber sein Herz schlug wohl doch eher für das karge, aber freie Leben seiner Ahnen. So zettelte er einen Aufstand an, lockte den geldgierigen Römer Varus in einen Hinterhalt und zerschmetterte dessen Heer bis auf den letzten Mann. 30.000 sollen es gewesen sein. Der berühmte Tacitus beschreibt das Schlachtfeld so: „Mitten auf dem Felde lagen bleichende Knochen, zerstreut oder in Haufen, je nachdem ob sie von Flüchtigen oder von einer noch Widerstand leistenden Truppe stammten. Daneben lagen zerbrochene Waffen und Pferdegerippe, an Baumstämmen waren Schädel befestigt. In Hainen in der Nähe standen die Altäre der Barbaren, an denen sie die Tribunen und Centurionen ersten Ranges geschlachtet hatten.“ Varus stürzte sich in sein Schwert. Kaiser Augustus rief: „Varus, gib mir meine Legionen wieder!“ Tacitus war es auch, der die für Rom größte Niederlage als Schlacht im Teutoburger Wald bezeichnete. Später wurde daraus Hermannsschlacht und Varusschlacht.

In Kalkriese hatten wir bei unserer Anreise bereits bestes germanisches Wetter: Regen. Der war nun ganz authentisch: „Und wenn dazu noch Regen und Sturm kam, zerstreuten sie (die Römer) sich noch weiter. Der Boden aber, schlüpfrig geworden um die Wurzeln und Baumstümpfe, machte sie ganz unsicher beim Gehen, und die Kronen der Bäume, abgebrochen und herabgestürzt, brachte sie in Verwirrung. (Dio Cassius)“. Doch bereits der Freitag klärte sich auf und es wurde sonnig, wenn auch die Schauer blieben. In Kalkriese, wo Archäologen einen Teil des Schlachtfeldes freilegten, standen sich etwa 200 nur leicht bewaffnete Germanen, darunter etwa 80 Thüringer (Hermunduren) und 200 schwer gepanzerte römische Legionäre gegenüber.
Vom Donnerstag an bis zum Sonntag wurden die „Szenen einer Schlacht“ jeweils gegen 14.30 Uhr nachgestellt. Man bot den insgesamt 26.000 Zuschauern ein treffliches Spektakel, bestehend aus Wallkämpfen, Einzelkämpfen und kleineren Überfällen. Die nachgestellten und von dem bekannten Militärhistoriker Dr. Markus Junkelmann kommentierten Szenen endeten mit der Beerdigung der vermoderten Gebeine der Legionäre durch Germanicus im Jahre 15. Zwei Wermutstropfen verwirrten indes Zuschauer und noch mehr die germanischen Darsteller, was zumindest mein Eindruck war: erstens gedachte niemand so richtig den gefallenen germanischen Kämpfern und zweitens betonte die Schluß-Kommentatorin jedes Mal, daß man dieses Ereignis nicht mit dem Sieg der Germanen beenden wolle… Man wolle lieber an die vielen getöteten Menschen denken. Für mich ein klarer Fall von falsch verstandener „politischer Korrektheit“, denn die Römer kamen als Unterwerfer, Unterdrücker und es wäre sehr wohl besser gewesen, den Sieg der Germanen herauszustellen und ihn als das zu deuten was er war, nämlich der Sieg eines um seine Freiheit kämpfenden Volkes gegen einen Aggressor. Aber sei`s drum! Am Schluß reichten sich in Kalkriese im Jahr 2009 Germanen und Römer freundschaftlich die Hand und zogen gemeinsam ins Lager zurück.
Arminius selbst wurde durch diesen Sieg in Niedersachsens Wäldern zwar zu einem der größten Helden der deutschen Geschichte, aber er endete tragisch. Seine Frau Thusnelda wurde in römische Gefangenschaft geführt, er selbst von seinen eigenen Verwandten ermordet.
In der Folgezeit verloren die Römer weitere Legionen und gaben Germanien schließlich auf. Sie ließen die Germanen unter sich, was strategisch einzig richtig war. In den folgenden zwei Jahrhunderten war das freie Germanien geprägt von Bruderkriegen, bis schließlich zur Zeit der Völkerwanderung Germanen Rom eroberten und abfackelten. Aber das ist eine andere Geschichte.