Juni 8 2026

Was ist eine Blide? – Begriffserklärung

Blide

Die Blide, die „Bleierne“, zählt zu den mechanischen Großfernwaffen und stellt die bedeutendste militärtechnische Entwicklung des Mittelalters dar. Konstruktiv aus Ziehkraft-Schleudern (Mangen, Petrarien) über Hybridtypen (Trabucium, Tribock) entstanden, kam sie ab ca. 1240 in Deutschland zum Einsatz. Mit hoher Wahrscheinlichkeit geht sie entwicklungsgeschichtlich auf den römischen Onager zurück (ebenfalls eine Ziehkraft-Schleuder, keinesfalls ein „Löffelkatapult“), der seine konstruktive Weiterentwicklung in den byzantinischen Ziehkraft-Schleudern und den italienischen Trabuchi (Gegengewichte aus Blei) fand. Das Wort Blide leitet sich vom mhd. blî=Blei her und bedeutet übertragen die „Bleierne“. Offensichtlich waren die bezeugten Bleigwichte der Trabuchi, die dann für die schwereren Bliden übernommen wurden, so imposant, dass sie namensgebend wurden. Aufgrund der Fähigkeit der Blide, als Fernwaffe Tag und Nacht auf 250 bis 400 Meter Entfernung (Gebrauchswurfweite) treffsicher und mit großer Zerstörungskraft gegnerische Befestigungen zu bekämpfen, kann man auf hohe militärische Effizienz schließen. Gegenüber den Gebrauchswurfweiten der unterschiedlich schweren Ziehkraft-Schleudern von ca. 150 Metern war das – neben der Erhöhung der Steingewichte der Blidensteine und deren ballistische Formgebung – eine enorme Steigerung. Die militärischen Vorteile dieser zielgenauen Großfernwaffe gegenüber Sturmangriffen personeller Kräfte mit Sturmleitern, aufwendigen Unterminierungen, Angriffen mit Rammböcken und / oder Belagerungen im Sinne von „vor der Burg lagernd“ sind beträchtlich, sieht man vom Zeitfaktor ab. Taktische Einsatzarten wie „Zerstörungswerfen“, „Artillerieunterstützung“ und / oder „Artillerievorbereitung“ bei Schonung der eigenen personellen Kräfte sind klar erkennbar.

Runneburg-Blide, einst die größte Steinschleuder-Maschine (Nachbau) der Welt! Mit 40 Tonnen Kampfgewicht konnte sie 90 Kg schwere Blidensteine über eine Distanz von 600 Metern werfen. 2009 verkauft nach Burg Scharfenstein, dort nicht wieder aufgerichtet, mittlerweile komplett verrottet. Totalverlust. Foto: Runneburgverein Weißensee / Thüringen.

Aufgrund ihrer Größe und der erheblichen Kosten (Herstellung, Wartung, Unterhaltung, Transport und Bedienung) kamen sie hauptsächlich bei Belagerungen von steinernen Befestigungen, oft auch im Zusammenwirken mit anderen Waffenarten wie Widder, Katzen (treibendes Werk), Ebenhöhen und ab um 1380 in Kombinaion mit Steinbüchsen, zum Einsatz. Ob Bliden oder andere Schleuderwaffen von Hafenbefestigungen oder Brückenköpfen aus gegen Schiffe eingesetzt wurden, bleibt noch zu untersuchen. Der Transport erfolgte zerlegt auf Wagen oder auf Schiffen. Die Aufrichtung der Blide erfolgte innerhalb von 3-7 Tagen, je nach Größe der Waffe und Beschaffenheit der Stellung (teils wurden Bergrücken für Stellungen eingeebnet, wie z. B. Fürstenberg). Die Blide funktionierte wie folgt: Die Blidner spannten mit Hilfe der Spannräder die Blide. Dabei wurde der Wurfarm (Blidenschwengel, Rute) über eine hölzerne Welle, an der zwei Räder mit runden Griffstücken befestigt waren, heruntergezogen. Um die Gefahr des „Zurückschnalzens“ des Wurfarmes bei einem Riss des Spannseils o. Unachtsamkeit der Blidenmannschaft zu verhindern, wurden die Spannräder an Knarren angebracht. Der Wurfarm wurde im gespannten Zustand über Seil und Haken am Schwellbalken des Traggestells verankert. Der Blidenstein lag im ledernen Schleudersack. Das Schleuderseil wurde in die unter dem Traggestell befindliche horizontale Gleitbahn eingelegt. Die Seile lagen parallel. Ein Ende der Seilschlaufe war mit dem Wurfarm fest an einem eisernen Ring verbunden. Das andere Seilende mit verstärkter Öse war an der Wurfarmspitze, d. h. lose über den gekrümmten Haken (Blidennagel), eingehakt. War die Blide „gespannt“, wurde ein Sicherungsseil über den Wurfarm gelegt und am Abzugsmechanismus befestigt. Dann wurde das Spannseil mittels der Spannräder „abgewickelt“. Der Wurfarm wurde zu diesem Zeitpunkt nur noch vom Sicherungsseil in seiner Position gehalten. Erst jetzt steckte er aus Sicherheitsgründen das lose Ende der Wurfschlinge über den geschmiedeten Haken. Die Blide war abwurfbereit.

Nach dem Kommando „Und los!“ wurde das Seil des Abzugsmechanismus gezogen, das entsicherte Sicherungsseil schnellte über den Wurfarm und gab diesen frei. Der schwere Gegengewichtskasten zog den kurzen Hebel nach unten, der längere Hebel bewegte sich in die Höhe und bei einer leichten vorwärts gerichteten Neigung gab der Haken die Wurfschlinge frei. Der Blidenstein flog in flachem Bogen ins Zielgebiet.

Das Blidenhaus als Urtyp des Zeughauses diente mit hoher Wahrscheinlichkeit schon ab der Mitte des 13. Jahrhunderts den Städten, die über Bliden verfügten, als sicherer Lager- u. Wartungsort für Militärtechnik und Waffen unterschiedlichster Art. Vom Bautyp muss man von einem rechteckigen, langgestreckten massiven Steinbau ausgehen, wie er in Konstanz noch erhalten ist. Ähnlich dürfte es auch außerhalb des deutschsprachigen Raumes gewesen sein. Blidenhäuser und Blidenhöfe wurden zum Schutz des städtischen Antwerks in allen großen Städten, die mit Landfriedensaufgaben betraut waren oder ihre politischen uund ökonomischen Interessen durchsetzen wollten, errichtet. Darüber hinaus mussten sie aufgrund der hohen Kosten der Herstellung, Unterhaltung und Nutzung der Bliden über eine gewisse ökonomische Stärke verfügen. Das waren in der Regel die Reichsstädte (z. B. Frankfurt, Mühlhausen), Städte großer geistlicher Landesherren (Köln, Mainz, Trier, Erfurt, Worms, Speyer u.a.) oder Hansestädte (Bremen, Hamburg, Stralsund, Wismar, Lübeck, Rostock u. a.). Vereinzelt wurden Bliden auch auf Burgen (z. B. Mühlburg, Landskron, Schloss Tonndorf) stationiert, wobei die Lagerung in Scheunen oder ebenfalls in Blidenhäusern (Landskron) zu vermuten ist. Blidenstraßen sowie die Nennung von Blidenmeistern können auf Blidenhäuser hinweisen.

Blidenhäuser wurden vermutlich von Blidenmeistern oder berufenen Männern verwaltet und kontrolliert (später Zeugmeister). Die Blidenhäuser befanden sich in städtischen Burganlagen (Konstanz) oder hinter sicheren Abschnitten der Stadtbefestigung (Frankfurt, Hansestädte, Mühlhausen, Erfurt). Mit der Ausmusterung der Bliden im 15. Jahrhundert verloren die Blidenhäuser ihre funktionale Bestimmung. Viele von ihnen wurden umgenutzt (Geschützgießereien), als Zeughäuser weiter genutzt (Konstanz, Frankfurt) oder abgerissen (Erfurt, Görlitz). Heute existiert vermutlich nur noch in Konstanz der Kern eines Blidenhauses. Depots von Bliden- und/oder Büchsensteinen können bei archäologischen Grabungen in Städten (Mainz, Dresden, Berlin) zutage treten. Blidenmeister und Blidenmacher waren hochbezahlte Spezialisten (ingenarii, Antwerkmeister, Werkmeister). Sie lassen sich sowohl als Freiberufler als auch als städtische oder landesherrliche Angestellte nachweisen. Die Bedienungsmannschafter wurden Blidner genannt.

Das Haupteinsatzgebiet von Bliden in Deutschland lag in der Bekämpfung von Burgen des Adels (vom Kleinadel bis zum Hochadel) während der Durchsetzung der sogenannten Landfrieden. Allerdings wurden sie auch gegen Städte eingesetzt. Außerhalb Europas waren Bliden hauptsächlich im Nahen und Mittleren Osten weit verbreitet und im Einsatz. Designunterschiede bei gleichem Funktionsprinzip zwischen europäischen, arabischen und mongolischen Steinschleuder-Maschinen sind nicht zu verkennen und haben ihren konstruktiven Unterschied im Vorkommen bzw. Fehlen bestimmter Holzarten. In China waren Ziehkraft-Schleudern unterschiedlicher Bauart und Größe noch bis ins 16. Jahrhundert in Gebrauch. Bliden sind für China bisher nicht belegt.

Als Munition dienten den Bliden hauptsächlich Blidensteine, aber auch chemische (Brandmittel, Brandbeschleuniger) und biologische Kampfmittel (tote Tiere, Pestleichen, Kotfässer). Als „Kotwerk“ (Wurfmaschinen für das Schleudern von Kotfässern) wurden noch in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts Triböcke eingesetzt.

Hauptmerkmal eines Blidensteins ist sein Gewicht. Die Gewichte schwanken zwischen 15 bis zirka 300 Kilogramm und lassen sich fünf Hauptgewichtsklassen zuordnen. Kleinere Exemplare von 3-15 Kilogramm könnten auch Mangensteine sein. Hergestellt wurden die Blidensteine meist in der Nähe des belagerten Ortes durch Steinmetzen (Sandstein gegen Felsenburg Rathen, ) oder wurden zum Kampfplatz herangeführt (Basalt gegen Burg Eltz, Burg Lahneck …..).

Typologisch unterscheiden sich drei Hauptmerkmale in Erstens: Typ A (Arsenalsteine), Typ B (Belagerungssteine) und Typ C (chemische Trägersteine). Zweitens: die Gewichtsunterteilung in fünf Gewichtsklassen I (ca. 7-25 kg), II (ca. 25-50 kg), III (ca. 50-80 kg), IV (ca. 80-120 kg) und V (über 120 kg) sowie Drittens: die Herstellung F (Fluss- oder Feldsteine) und G (gehauen, gespitzt).

Die Typologie dient einer einfachen Klassifizierung der Waffe, die die Grundlage für die Klassifizierung der Bliden in fünf Klassen (leichte, mittelschwere, halbschwere, schwere und überschwere Bliden) ermöglicht. Der schwerste Blidenstein von zirka 300 Kilogramm datiert in das Jahr 1422 und stammt von der Belagerung von Wasserburg am Inn.

Bliden konnten – bei Beachtung unterschiedlicher Größen – mehrere Gefechtsaufgaben erfüllen: Die schwereren Steinschleuder-Maschinen wurden eingesetzt, um ausgewählte Abschnitte von Burg- und Stadtmauern, Tore und Türme im direkten Werfen mit Blidensteinen unterschiedlichen Gewichts zielgerichtet zu zerstören bzw. sie zum Einsturz zu bringen. Zweischaliges ma. Mauerwerk v. ca. 1,20 m war einem konzentrierten Angriff v. halbschweren Bliden nicht gewachsen u. gab aufgrund seiner Bauweise nach einer gewissen Zeit dem kontinuierlichen Bewurf nach. Die damit verbundene „Breschelegung“ diente dem leichteren Eindringen der eigenen Fußkämpfer in die feindliche Burg oder Stadt. Neben ihrer Treffgenauigkeit und Zerstörungskraft konnte sie zudem eine hohe „Feuer- u. Bekämpfungsdichte“ erreichen. Um die Bliden selbst vor möglichen Angriffen (Ausfällen, Entsatz) und Beschuss mit Fernwaffen (Ballisten, Wallarmbrüsten, Handfeuerwaffen) zu schützen, wurden Blidenstellungen mitunter befestigt (vereinzelt sogar komplette steinerne Belagerungsburgen) oder befanden sich mittig geschützt im Heerlager (Eisenach). Man kann aufgrund der Zerstörungskraft der Bliden von zahlreichen Kapitulationen der Belagerer ausgehen (z. B. Eltz, Ilmenau).

Unterschiedliche Abwehrmaßnahmen folgten zeitnah den ersten belegbaren Einsätzen. Als militärgeschichtlich herausragendes Ereignis dürfte die Belagerung der thüringischen Runneburg in Weißensee mittels des schweren Tribocks 1212 angesehen werden, dessen Zerstörungskraft bei dem anwesenden Adel einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben dürfte. Architekturgeschichtlich lassen sich im Burgenbau aber auch bei Stadtbefestigungen dafür dickere Ringmauern, Schildmauern (ab 1,90 m Mauerdicke) und spitzeckige bzw. fünfeckige (Burg Lahneck) oder dreieckige (Grenzau) Türme fassen (z. B. Burg Lahneck mit fünfeckigem Turm und davorgelagerter Schildmauer), deren „Spitze“ gegen die Hauptangriffsseite ausgerichtet sind. Mauerdicken ab ca. 1,90 m waren selbst von überschweren Bliden schwer oder nicht zu brechen. Dementsprechend setzte man taktisch bestimmt chemische o. biologische Kampfmittel ein. Noch im 16. Jahrhundert weisen Beschreibungen auf den Einsatz v. Bliden u. Triböcken (Kotwerk) als Wurfzeuge für Tierkadaver, Fäkalienfässer u. Brandbomben hin.

Auch als makabres Hinrichtungswerkzeug, ähnlich den Kanonenhinrichtungen der Briten in Indien (1857 bis 1859), wurden Bliden gebraucht.

Kleinere Bliden wurden höchstwahrscheinlich zur Bekämpfung leichterer Ziele verwendet (z. B. Hurden, Zinnen, Wikhäuser, Schießhäuser, Wehrgänge, Wehrerker, Ausschaltung feindlicher Fernwaffen) und dienten – ebenso wie größere Bliden – der sog. „Artillerievorbereitung“, der Vorbereitung der Sturmangriffe, aber auch jeglichem Zerstörungswerfen.

Selbst der Einsatz gegen bewegliche Ziele im Burginneren war mit „Streubomben“ möglich. Jedoch konnte man mit Bliden nicht gezielt auf bewegliche Ziele werfen. Waren die großen Steinschleuder-Maschinen eingerichtet, gab es keinerlei oder nur geringe Seitenkorrekturen mehr. Erst mit dem Aufkommen der großen Büchsen um 1380 gerieten die Bliden als Fernwaffen in den folgenden 100 Jahren nach und nach außer Gebrauch. Spätestens mit der erfolgreichen Belagerung der hessischen Burg Tannenberg 1399 ist ein Wendepunkt zugunsten der neuen, noch zerstörerischen und damit militärisch effizienteren großen Steinbüchsen erkennbar. Typologisch folgt der Büchsenstein dem Blidenstein, um dann als eiserne Kanonenkugel und heutigen tags als stählernes Spezialgeschoss – teils als atomares Trägermittel – bei den Artilleriesystemen vereinzelter Länder in Gebrauch zu sein.

Die zahlreichen Nachweise von erfolgreichen Blideneinsätzen belegen den hohen militärischen Nutzen. Dennoch muss die Effizienz oder besser die Effektivität immer im Zusammenhang mit der jeweiligen fortifikatorischen Entwicklung und der Art der belagerten Befestigung sowie den Abwehrmaßnahmen gesehen werden. Im Zuge militärischer Operationen, bei denen es allein um eine ökonomische Schädigung des Feindes ging, waren Blideneinsätze selten, weil sie sich als teuer erweisen konnten. Das Abbrennen von Dörfern, das Wegtreiben von Vieh, kurzum die vegetianische Kriegsführung, war kriegsökonomischer als ein Blideneinsatz gegen eine Burg. Bestand allerdings das militärische Ziel in der Niederringung eines Rivalen mittels Belagerung der feindlichen Burg (Balduin von Trier gegen die Herren von Eltz) konnten Bliden den entscheidenden militärischen Erfolg bringen. Bliden garantierten darüberhinaus aber nicht immer eine erfolgreiche Belagerung, auch nicht im Verbund mit anderen Belagerungsmaschinen oder -techniken (z. B. vergebliche Belagerungen der Burgen Kaub und Rheinfels). Entweder sie scheiterten an massiven Bauwerken, Befestigungselementen oder an taktischen Fehlern der Belagerer. Trotz des „teuflischen Werkzeugs“ gelang es Kaiser Otto IV. nicht, die Runneburg im Jahre 1212 zu erobern oder grundlegend zu zerstören. Und auch die Hussiten konnten Burg Karlstein mit den enormen Mauerdicken 1422 nicht brechen.

Der Autor des Beitrag ist Dr. Michael Kirchschlager, Burgvogt der Marksburg und Geschäftsführer der Deutschen Burgenvereinigung e. V.


Juni 8 2026

Der Dürinc – Ein Weißenseer Minnesänger und Burgverteidiger?

Thüringen gebührt in der mittelhochdeutschen Literatur ein Ehrenplatz1 und so verwundert es auch nicht, dass in der Großen Heidelberger Liederhandschrift so mancher thüringischer Dichter vertreten ist. Doch nicht nur Thüringer finden sich dort, auch zahlreiche andere Großen deutscher Zunge wie Heinrich von Veldeke, Walther von der Vogelweide oder Wolfram von Eschenbach, die allesamt in Thüringen wirkten. Berühmt sind jedoch vor allem – neben den bekanntesten Dichtungen – die einzigartigen Abbildungen der Dichter. Das ein Thüringer zum ersten Bücherdieb der deutschen Literaturgeschichte avancierte sei hier nur am Rande erwähnt.2

Der Dürinc aus der Großen Heidelberger Liederhandschrift. War er ein Verteidiger der Runneburg in Weißensee? Foto: Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, fol. 229v

Der Grundstock der Miniaturen der Großen Heidelberger Liederhandschrift3, die man auch den Codex Manesse nennt, entstand um 1300. Bis ca. 1340 kamen weitere Nachträge hinzu. Diese einmalige Sammlung verdanken wir dem Zürcher Patrizier Rüdiger Manesse und seinem Sohn. Sie bietet eine Fülle an mittelhochdeutscher Lied- und Spruchdichtung und besteht aus 426 beidseitig beschriebenen Pergamentblättern. Der Codex enthält 140 Dichtersammlungen in mittelhochdeutscher Sprache und umfasst etwa 6.000 Strophen.4

Die ganzseitigen Miniaturen sind den Strophen von 137 Sängern vorangestellt und zeigen die Dichter in idealisierter Form bei höfischen Aktivitäten (der Kaiser Heinrich VI. auf dem Thron5), beziehen sich auf ihr Werk (der starke Boppe verbiegt ein Hufeisen6 – und wirft leider keinen Blidenstein), beschreiben biografische Szenen (der tugenhafte Schreiber in Fußeisen7), nehmen Bezug auf die Namen (Heinrich Hetzbold wird dargestellt als Hetzjäger eines Keilers)8 oder wurden einer Geschichte bzw. Tat zugeordnet, die sich schwerlich belegen lässt bzw. zuweilen reiner Irrung unterlag, wie die Darstellung der Ermordung des Reinmar III. von Brennenberg9, durch einen betrogenen Ehemann. Ähnlich verhält es sich mit dem Dürinc10, der als erfolgreicher Burgverteidiger zu Ehren kommt.

Seine Miniatur stellt ihn als übergoßen, gewappneten Kämpfer mit gewaltigem Topfhelm dar, der, Schild und Speer fest in der Hand, eine Burg verteidigt. Die Burg – Turm, Palas und Burgmauer mit Zinnenkranz – besteht aus lagigem, gespitztem und großformatigem Quadermauerwerk; die Dächer mit goldenen Zierkugeln versehen sind farblich unterschiedlich mit Ziegeln gedeckt (Palas blau, Turm rot). Das Tor besteht aus zwei Flügeln mit Eisenbändern. Links neben dem Dürinc wirft eine blonde Frau mit dünnem Gewand und Gebende einen kleineren Stein. Aus einem Palasfenster mit Holzklappe wirft ebenfalls ein ungewappneter Mann beidhändig einen etwas größeren Stein; ein gewappneter Kriegsknecht mit Eisenhut, Ringhaube und Schild wirft ebenfalls ein Stein. Aus dem Turm schießt ein ungewappneter Armbrustschütze auf die Belagerer, von denen einer, der mit einem Beil das Burgtor aufzuschlagen versucht, getroffen ist. Alles in allem ist die Burgbesatzung zwar wenig gut gerüstet – bis auf den Burgmannen – zur Vetreidigung scheint sie jedoch entschlossen. Fast könnte es den Eindruck erwecken, sie folgten bedingungslos ihrem Burgvogt. Die Belagerer sind hingegen bis auf den Bannerträger allesamt mit Ringpanzern gerüstet. Einer von ihnen mit einem Lamellenpanzer.

Neben dem Beilschwinger steht ein Kämpfer mit Eisenhut, Schild und Feuerfackel, der versucht, die Burg mit Brandmitteln zu bekämpfen. Auf ihn geht ein Stein nieder. Das weiße Schild mit drei stilisierten roten Kleeblättern erinnert an das Wappen der Stadt Mettingen bzw. der Grafschaft Tecklenburg. Die Grafen von Tecklenburg waren lange Zeit Anhänger der Welfen. Steine – nicht wie oft fälschlich vermutet heißes Öl oder Pech – stellten das probate Abwehrmittel der Belagerer dar; wie übrigens bei vielen Miniaturen. Daneben zielen zwei Armbrustschützen auf die Burgbesatzung. Ein Armbrustpfeil steckt in der hölzernen Fensterklappe.

Kommen wir zu dem Hauptakteur der actiongeladenen Miniatur zurück. Schon früh wurde in akademischen und studentischen Kreisen auf der Runneburg über den Dürinc als möglichen Weißenseer Burgmanne gesprochen, der bildlich hoch über dem Burgtor mit dem Speer in der Hand deutlich als Sieger einer Belagerung hervorgeht. Die heraldischen Attribute Schild mit blauem Untergrund und goldenem Fisch sowie zwei riesigen Fischen als Helmzimier – von seinem Namen Dürinc für Thüringer ganz zu schweigen – lassen ihn unzweifelhaft als Weißenseer erscheinen. Frühe Formen des Weißenseer Stadtwappens bringen auf Brakteaten einen Fisch; das Wappen der Stadt sind seit der Frühen Neuzeit zwei silberne Fische (Hechte?), die die beiden Seenbecken symbolisieren, einen goldenen Stern (Burg und Stadt) in der Mitte auf blauem Grund umschließend.

Ob man die Darstellung der Burg mit Turm und Palas als das bekannte Wohnturm und Palas-Ensemble der Runneburg deuten kann, soll dahingestellt bleiben.

Spannender wird es bei der Deutung des Bannerträgers, der in ziemlich erniedrigender Lage ohne Ringpanzer zusammengekauert mit blutender Kopfwunde am Boden liegt, ganz eindeutig eine demütigende Ikonographie. Sein Wappenschild zeigt einen goldenen Wolfskopf auf rotem Grund. Das Banner – zwei rote Sparren mit zwei roten Sternen auf weißem Feld – lässt sich nicht genau zuordnen. Allerdings gab es einen kaiserlichen Dapifer (Truchsess), der vor Weißensee mit seinem Kaiser scheiterte: Gunzelin von Wolfenbüttel (um 1170-1255). Tatsächlich zeigt Gunzelins Siegel zwei Garben, über die ein Wolf springt. Sollte man dieses Siegel stilisieren, so der Grafiker Lothar Freund, der das Thüringer Landeswappen schuf und als bester Grafiker des Freistaates galt, würde er den Kopf des Wolfes inmitten des Schildes platzieren.

Wie bereits im Beitrag des Verfassers zum Tribock vor Weißensee dargelegt, könnte es sich mit hoher Wahrschenlichkeit hier um Gunzelin von Wolfenbüttel handeln. Seine Niederlage vor Weißensee wird hier künstlerisch überhöht dargestellt – der Bannerträger verwundet am Boden – welch eine Schmach! Somit stellt der Inhalt der Miniatur den Kampf um Weißensee im Jahre 1212 dar. Auf der einen Seite der Weißeseer Dürinc und auf der anderen Seite die Belagerer um Gunzelin von Wolfenbüttel. Auffälligerweise wird Otto IV. nicht ins Bild gerückt. Einen Welfenkaiser düpiert man nicht, scheint es. Auch fehlt der Tribock.

An dieser Stelle sei ein Hinweis auf die Miniaturen der Berliner Handschrift der Eneide (um 1220/1230) des Heinrich von Veldeke (1150-1190/1200).11

Eine verblüffende Ähnlichkeit weisen die Wappendarstellungen der Ritter und Fußkrieger in der Eneide des Veldeke mit denen im Codex Manesse auf. Besonders sei hier Miniatur fol. 34v hervorgehoben, die das Heer des Turnus darstellen. Turnus, der Gegenspieler des Eneas, führt in der Bilderhandschrift als Wappen einen schwarzen Adler (frühe Form des Reichsadlers?). Interessanter sind dessen Gesellen, allen voran der reitende Bannerträger, der einen roten Wolf im Banner führt sowie einen schwarzen Wolf als Helmzimier trägt. Sollte hier der Maler schon auf zeitlich nahe zurückliegende historische Ereignisse Bezug nehmen? Der voranreitende Geselle des Turnus mit dem Wolf auf dem Helm – eine Darstellung des Gunzelin von Wolfenbüttel? Der stolze Eneas/Hermann von Thüringen als Gegenspieler zu Turnus/Otto IV.? Im Tjost zwischen Pallas und Eneas führt Eneas einen roten Löwen auf dunklem Grund als Wappenschild – ein früher heraldischer Hinweis auf den Thüringer Löwen? Huldigen die Minituren in der Berliner Handschrift der Eneide dem toten Mäzen Hermann, der Heinrich von Veldeke nach Thüringen einlud, die Eneide zu beenden? Wäre das von der Hand zu weisen? Wäre der Bau von Montalbane eine literarisch und sogar bildliche Anspielung auf den Bau/Ausbau von Weißensee? Der zum Burggraben abgeschrotete Gipsfelsen an der Südseite der Runneburg, dessen Steinhauerspuren im weißen Gips der Verfasser selbst mit ergraben hat, lässt Fragen aufkommen. Doch beenden wir die Spekulationen. Zukünftige Forscher werden sich zweifellos des spannenden Themas annehmen.

Doch was sagen die Germanisten zum Dürinc? Was schlussfolgern sie aus seinen Liedern, von denen sieben überliefert sind?

Die Objektbeschreibung auf der Webseite der Universität Heidelberg lässt Ernüchterung aufkommen: „Aus dem Namen ‚Der Düring‘ und der Mundart der Lieder läßt sich schließen, daß der Minnesänger aus Thüringen stammte. Der vermutlich in der zweiten Häfte des 13. Jahrhunderts dichtende Autor läßt sich nicht näher identifizieren.“12

Manfred Lemmer sieht ihn seines Namens und seiner Mundart nach ebenfalls als Thüringer. Und „auch das Wappen auf der Miniatur hat nicht zur Identifizierung seiner Person oder seines Geschlechts geführt.“ Gewisse literarische Berührungen zeigt er mit Kristan von Luppin. Lemmer lässt den Thüringer um 1300 dichten. Die literarische Qualität des Burgverteidigers ist für den Hallenser Altgermanisten nicht sonderlich hoch: „Seine Minnepoesie ist ungleichartig, zuweilen einfach und leicht, fast volkstümlich, dann wieder überladen, inhaltlich und sprachlich schwer verständlich, fast schon im ‚geblümten Stil‘ der Spätzeit verfaßt, wie die Klage gegen Frau Minne, die zweifellos von Wolframs „Parzival“ angeregt ist; der Eschenbacher wird im Gedicht übrigens auch genannt. An den hohen Minnesang erinnern bei ihm Ausdrücke wie ‚ôsterlicher tac‘ für die Dame oder ihr ‚balsamsmac‚ (Balsamduft).13 Aber aus seiner hohen Bildlichkeit kann er auch wieder tief fallen, wenn er beschreibt, wie ihm zumute ist, wenn sein Minnelohn ausbleibt: seht, des muoz min herze erkrachen sam die spachen tuont in heizer gluot (seht, davon knackt mein Herz wie die Spähne in heißer Glut.).

Reinhard Hahn datiert seine Lieder ins späte 13. Jahrhundert, und stellt ihm ein weniger kritisches literarisches Zeugnis aus: „Von dem hohen rhetorisch-formalen Kunstbegriff des Dichters zeugen zahlreiche Kunstmittel (Epitheta, Antonomasien, Metaphern, Binnenreime, Schlagreime und Pausenreime.“14

Folgt man den Germanisten in ihrer Datierung, muss der Thüringer, wenn er ein Verteidiger Weißensees gewesen sein soll, ziemlich alt geworden sein.

Abschließend kommt der Verfasser zu dem Schluss, dass mit der Figur des Dürinc möglicherweise zwei Biografien vermischt wurden sind: die eines dichtenden Mannes aus der Zeit der Burgverteidigung mit der eines Dichters um 1300. Vielleicht erzählte der um 1300 dichtende Thüringer in seinem Umfeld oft von jener großen Belagerung, an der er gar nicht teilgenommen hatte, aber vielleicht einer seiner Vorfahren? Wir wissen es nicht. Es bleibt Spekulation, vorerst. Doch der Stoff für weitere spannende Thesen ist gesponnen.

Der Autor dieses Beitrages ist Dr. Michael Kirchschlager, Burgvogt der Marksburg und Geschäftsführer der Deutschen Burgenvereinigung e. V.

1Vgl. Manfred Lemmer, „der Dürnge bluome schînet dur den snê“. Thüringen und die deutsche Literatur des hohen Mittelalters, Eisenach 1981 und Reinhard Hahn, Geschichte der mittelalterlichen deutschen Literatur Thüringens, Köln/Weimar/Wien 2012.

2Michael Kirchschlager, Ein Thüringer als Bücherdieb. Oder vom Nutzen einer gut sortierten Bibliothek. In: Palmbaum. Literarisches Journal aus Thüringen. Bd. 24, Jena 2016, S. 165-168

3 Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848

4 Weitere Informationen bei: https://www.ub.uni-heidelberg.de/allg/benutzung/bereiche/handschriften/codexmanesse.html

5Universitätsbibliothek Heidelberg, (wie Anm. 1), fol. 6r

6Universitätsbibliothek Heidelberg, (wie Anm. 1), fol. 418r

7Michael Kirchschlager, Der „tugendhafte Schreiber“ in Fußeisen. Aus dem bewegten Leben des Heinrich von Weißensee. In: Palmbaum. Literarisches Journal aus Thüringen. Heft 1, Jena 2023, S. 149-152.

8Universitätsbibliothek Heidelberg, (wie Anm. 1), fol. 228r; Michael Kirchschlager, ich tummer affe. Heinrich Hetzbolt von Weißensee. Thüringens letzter namhafter Minnesänger. In: Palmbaum. Literarisches Journal aus Thüringen. Bd. 25, Jena 2017, S. 171-173

9 Ebd., fol. 188r

10 Ebd., fol. 229v bis 230v

11Staatsbibliothek Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Ms. germ. fol. 282, fol. 34v.

12https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0454/image,info,text_heidicon

13Manfred Lemmer, (wie Anm. 1), S. 81 ff.

14Reinhard Hahn, (wie Anm. 1), S. 171


Juni 4 2026

Blidenmeister – Ingenieure, Zimmermeister und Architekten

Miniatur aus Walter de Milimetes Werk De Nobilitatibus, Sapientiis, et Prudentiiis Regum („Über Ruhm, Weisheit und Bildung der Könige; 14. Jahrhundert. Handelt es ich bei dem Blidenmeister um den König selbst?

Antwerkmeister

Im Zuge der Auseinandersetzungen des deutschen Kaisers Friedrich I. Barbarossas (1152-1190) mit den italienischen Städten kam im November/ Dezember 1159/Januar 1160 gegen die italienische Stadt Crema (40 Km südöstlich von Mailand gelegen), ein mächtiger Belagerungsturm zum Einsatz, der von 500 Mann an die Stadtmauer geschoben wurde.1

In diesem Zusammenhang nahm der Kaiser voll Freude den aus Crema zu ihm übergelaufenen, berühmten Techniker Magister Marchese auf und ehrte ihn durch das Geschenk eines wertvollen Schlachtrosses. Marchese läßt sodann eine Angriffsmaschine bauen, von der aus eine Brücke nach vorne geschoben werden konnte. Friedrich ließ das neue Gerät nach Beseitigung eines wenig erfolgreichen Rammbockes zum Einsatz bringen. Einem anderen Chronisten zufolge stammt der Belagerungstechniker, der den Kaiser mit der Konstruktion von Belagerungsmaschinen unterstützte, aus dem Heiligen Land. Letztere Behauptung läßt die Frage aufkommen, warum dieser dem Kaiser dann keine Steinschleudern baute?

Technische Erfindungen und Neuerungen – zumal, wenn sie dem Kriege dienen – verbreiten sich rasant. Bereits 1163 nutzte Heinrich der Löwe jene Neuerungen im Kriegswesen für sich, die er noch als Parteigänger Friedrichs I. vor Crema kennengelernt hatte. Der Chronist und Zeitgenosse Helmold von Bosau berichtet in seiner Chronica Slavorum im Zusammenhang mit der Belagerung der Burg Werle (nordwestlich der Stadt Güstrow) folgendes: Sobald ließ er (Heinrich der Löwe-d. Verf.) aus dem dichten Walde Holz herbeibringen und Kriegsmaschinen herrichten in der Bauweise, wie er sie vor Crema und Mailand gesehen hatte. Er stellte sehr wirksame Maschinen her: eine aus starken Balken sollte Bresche in die Mauer legen (ein Rammbock-d. Verf.), die andere, höher aufragend nach Art eines Turmes, überhöhte die Burg, um Pfeile hineinzuschießen und die Leute zu vertreiben, die auf den Brustwehren standen. Wirklich wagte von dem Tage der Errichtung dieses Bauwerks an kein Slawe mehr, den Kopf zu heben oder an den Brustwehren zu erscheinen.“ Der Rammbock brachte die Mauern gewaltig ins zittern, aber nicht zum Einsturz. Die Belagerung endete mit einem „Vergleich“.2

Erscheint hier Heinrich der Löwe als der Auftraggeber zum Bau der Belagerungsmaschinen, eines Rammbocks und einer Ebenhöhe.

Der auf das Aufrichten von Steinschleuder-Maschinen und deren Bedienung im Ernstfall spezialisierte Blidenmeister ging aus dem „Antwerker“ hervor.

Abgeleitet von antwerc verwendet Ottokar in seiner Österreichischen Reimchronik in der Beschreibung einer Belagerung von Venedig (um 1280), bei der er Augenzeuge des Geschenes war, die Bezeichnung antwercmeister (im PluraI) und setzt sie in Beziehung zu blîden und anderem werc (Kriegswerk, Kriegsgerät allgemein): daz man balde sant / hinz Venedi nâch blîden / sô müest diu stat lîden / kummer unde ach. / dô diu botschaft geschach, / der herzog zehant / von Venedi sant / grôzer blîden viere. / die wurden vil schiere / gerihtet ûf terret, / die man darzuo bereitet het. / die antwercmeister hôr ich jehen (schreien) / unde hânz ouch selben gesehen, / diu werc, diu dâ gerihtet sîn / ûf kocken oder ûf galîn, / diu werfent krefticlicher vil / ze verrem unde wîtem zil, / denn diu ûf der erden stânt, / wande sie den swunc hânt. Und für die antwerc starc / erfunden sie manigen list, d. h. sie bekämpften es.3

Ottokar erinnerte sich an das laute Geschrei der antwercmeister, die er jehen hörte.4 Das laute Geschrei wurde hauptsächlich durch Streß verursacht, der in der allgegenwärtigen Gefährlichkeit und extremen psychischen und physischen Anspannungen und Anstrengungen der Sache lag. Zudem bestand permanent Verletzungesgefahr, die tödlich enden konnte.5 Quetschungen, Verstauchungen, Prellungen, Zerrungen, Brüche etc. gehörten zweifellos zum Alltag der Blidenmannschaften.6 Schnell konnte ein langer, schwerer und fallender Balken schwerste bis tödliche Verletzungen hervorrufen oder ein von einer Ebenhöhe fallender Antwerker den Tod finden: Während der Belagerung der Stadt Tournay im Jahre 1340 zerbrach eine der Wurfmaschinen und tötete den „Stückmeister“, dessen Kopf nicht wiedergefunden wurde.7

Aufgrund der Fähigkeiten dieser außerordentlichen Fachleute verwundert es auch nicht, wenn die Antwerker und Blidenmeister ins Visier gegnerischer Fernwaffen gerieten. Eine Blidenmannschaft stand ohne Blidenmeister vor schier unlösbaren Aufgaben.

Zuständig für die Lagerung und den Einsatz speziell der Bliden aber auch des anderen antwercs, wie wir gesehen haben, waren sogenannte Blidenmeister oder Werkmeister, die nicht nur als antwercmeister oder im Sinne von „Geschützführern“ während eines Einsatzes fungierten, sondern auch die Maschinen selbst bauten, warteten und vielleicht sogar technisch verbesserten und daher mit anderen Meistern im Wettstreit lagen.8

Die Bezeichnung des Antwerkmeisters schwand in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts aus dem Sprachgebrauch. Zwar verwendet ihn noch Ottokar in seiner deutschsprachigen Reimchronik, gleiches gilt für den driboc, aber sprachlich wird dieser mittelhochdeutsche Terminus vom Blidenmeister abgelöst. Gleiches läßt sich auch für den Terminus Blide feststellen, der im 14. Jahrhunderts in Deutschland für die hier besprochene Art von Steinschleuder-Maschine (egal ob mit festem oder beweglichem Gegengewicht, norddeutsch Pleide) gebräuchlich wird.

Als Kaiser Otto IV. die „balliste“, wohl das teuflische Werkzeug von 1218, in seinem Testament den Kreuzfahrern nach Livland vermachte, ist es ein Herzog von Sachsen, der als Maschinenmeister genannt wird.

Bereits für 1288 ist in Frankfurt ein domus machinarum bezeugt. 1367 bezahlte sie den Blidenmeister Dylman von Fulde für seine Dienste in der Fehde mit Philipp dem Ältesten von Falkenstein, was dieser quittierte.9

Der erste urkundlich bezeugte Blidenmeister ist ein „bruder Henrich de blidenmeister“ des Herzogs Heinrich von Braunschweig-Lüneburg, genannt der Wunderliche (1267-1322), der als Zeuge einer Urkunde vom 29. Juni 1300 für das Kloster Neuwerk in Goslar nach zwei Rittern auftritt.10 Ebenfalls in einer Zeugenreihung ein Rechtsgeschäft der Äbtissin Elisabetha von der Fraumünsterabtei Zürich vom 13. Februar 1309 betreffend, befindet sich ein „meister Heinrich, der blidenmeister.“11

Im Jahr 1327 meldete die Stadt Zürich, dass einer ihrer Bürger, Hug Constancie, überfallen, gebunden und gefangen nach Neuchätel geführt worden sei. Man hatte ihm „sinen gürtel, sinen mantel, sin messer und sin swert und dazu sine pferit (Pferd) genommen. Das „tet Bürkli, blidenmeister und des vogtes tochtermann von Nidowe, Mörli sin knecht, Uli von Erlach sin knecht, Sakrovb des sun von Nidowe„. Der genannte Überfall muß unweit von Erlach ausgeführt worden sein. Ursache und Umstände sind unklar.12

Meister Burkhard, der Blidenmeister von Bern, konnte allerdings seine Nichtbeteiligung an dem Überfall nachweisen. Bereits 1331 bei der Belagerung der Burg Grummenen konnte er seine Kunst mit seinen Werken und Bliden unter Beweis stellen. Er stand an der Spitze der technischen Vorbereitung und Durchführung des Grynauer Krieges (1336-1337). Als „Meister Burkhart der blidenmeister burger ze Berne“ nennt er sich in einer Quittung vom 1. April 1338, die er dem Bürgermeister und Rat von Zürich für sein Soldguthaben ausstellte. Am 2. und 3. August 1338 erhielten er und seine Knechte Zahlungen. Er besiegelt die Rechnung. Auf dem Siegel nennt er sich der „Meister von Nidau“.13

Einer Urfehde gleicht der Text einer Urkunde von 1342. Der Blidenmeister Heinrich von Kirchhain gelobt am 7. Oktober 1342, den Erzbischof Balduin von Trier (1285-1354) zu meiden und nichts wider ihn zu tun. „Dhauner Fehde“ wahrscheinlich Ungereimtheiten. Der Text der Urkunde ist von größtem Interesse und soll deshalb vollständig widergegeben werden: „1. Ich Henrich von Kircheim der blydenmeister dun kunt allen luden, wan der hochgeborne fuorste min herre erczebischof Baldewin von Trire mir erloybet hat und gan von sinen gnaden, daz ich moge ryden, gan und stan, wanen, varen und wandern in sime lande und steden uber al, da ich zu tune hette, so han ich globet und mich verbuonden, daz ich nummer sal komen an die herberge, da min vorgenante herre von Trire ist, noch bie sinen liip noch an sin gesichte. 2. In welicher gaszen oder straze oder anderswa, da ich sin gewar werde oder anders verneme, da er were, da sal ich zu hant umbe keren und sinen weg vermieden, also daz ich ieme nicht begeynen sal noch bie en nicht komen, iz enwere danne mit sinem wiszentlichen urloube. 3. Ich en sal ouch nummer gedun, sprechen noch schaffen, daz dem selben minem herren von Trire oder den sinen bose, hynderlich, missewendig oder schedelich mochte sin, mit worten oder mit werken in keynerhande wiis, sunder ich sal mich von minem vorgenanten herren beloben alles gudes, war ich landes varen, und sal sin beste werben. 4. Alle dise vorgeschribenen stucke han ich globet in guden truwen und dar zu zu den heiligen gesworn, stede und veste zu haldene ane allerhande argelist. Und wa ich da wider tede, so han ich gewillekort und willen an disem brive, daz man griffen moge an minen lip und an min gut ane alle widersprache und hindernisse und moge da mite dun zu alle mines vorgenanten herren von Trire willen. 5. Zu urkonde und stedicheit aller diser vorgeschribener stuocke, wan ich selber nicht ingesigels en han, so han ich gebeden den erbern man den …official des hoves zu Trire, daz er sin ingesigel an disen brif welle henken.

Und wir der …official des hoves zu Trire vorgenant erkennen, daz dise ding vor uns sin geschen und daz wir durch bedde willen des vorgenanten Henrichs von Kircheim des hoves von Trire ingesigel an disen brif han dun henken zu eyme gezugnisse aller diser vorgeschribener stuocke.

Dirre brif ist gegeben nach Cristus geburthe dritzenhundert iar und dar nach in dem zwey und viertzegstem iare uff den mandag aller nehest nach sencte Remigies tage“.14

1368 wird im Rahmen eines Kaufvertrages Güter zu Aichelschwang betreffend Peter der Blidenmeister für Kempten genannt.16 Die Ratsherren der Stadt Lüneburg verleihen am 8. September 1373 ihrem truwen denere Mester Lamberte blidenmestere und seiner Frau auf Lebenszeit ein Haus und Hof, auf der neuen Sülze, befreien sie und ihre Besitzungen von Schoß und Stadtpflicht, übernehmen die Reparaturen der Wohnung und versprechen ihm jährlich 8 lötige Mark, 7 Ellen gefärbten und 7 Ellen grauen Tuches und Lohn im Dienste.17

In Hildesheim wird 1381-1386 ein Hans Blidenmeister genannt.18 Pfalzgraf Ruprecht I. von der Pfalz (1309-1390) erlaubte am 17. April 1385 seinem Blidenmeister Marqvart von Amberg in einem Haus des Pfalzgrafen zu Amberg mit seiner Frau zeitlebens zu wohnen.19

1388 wird für Braunschweig Meister Werner erwähnt, der die Bliden einholte und dafür 2,5 Schillinge erhielt. Bereits für 1354 kommen in den Cämmerey=Rechnungen sehr oft pro balastris reparandis vor. 1398 wird in Braunschweig Mester Tyle auf drei Jahre angenommen, der jährlich sieben Ellen ekescher Laken (Laken aus der Handelsstadt Achen) und dazu eine Mark Pfennige. Er mußte zudem einen Eid schwören, der wie folgt lautete: Dat gy dem Rade der Stad un den meyne borghen willen wesen schal, de em kledinge un pennige gyfft, un icht gy (ob euch) jenneghe samminghe edder upsate vorqueme de wedder den Radt edder de Stadt sy, dat gy dat dem Rade melden willen, un alle dinge dem Rade myt ruwen to gude holden, dat gyk god helpe etc.20

Nach Mester Tyle folgte Meister Werner, der wegen seiner Geschicklichkeit 1428 an die Hansestädte vom Rat verliehen wurde. Im Jahre 1400 wurden in Braunschweig sogenannte Musemester eingesetzt, die die gesamte Oberaufsicht über alle Waffen der Stadt hatten. Zwei Mitglieder des Rates, Hans Pawel aus dem Patriziergeschlecht der Pawele und der ebenfalls patrizische Eylard von der Heyde. Auch sie mußten dem Rad u.a. schwören, des rades bliden, donnerbussen, armborste, pile, büssen usw in bester Ordnung zu halten.21 Die Musemeister und die Blidenmeister als Werkmeister kann man als Vorgänger der Zeugherren und Zeugmeister ansprechen.

Geben uns die meisten Namensnennungen keinen Hinweis auf den Beruf des Blidenmeisters, der als Teil eines städtischen Kontingentes verstanden werden muss, so kann man hauptsächlich von Zimmerleuten ausgehen. Für das Aufstellen der Kölner Blide 1366 werden Zimmerleute und Säger genannt.

Am 17. Dezember 1417 bat der Ordensmeister von Livland den Hochmeister, ihm wieder den Blidenmeister Hans aus Preußen zuzusenden, damit derselbe den großen Mühlenbau bei Riga vollenden möge. Gleiches wiederholt der Ordensmeister am 23. Januar 1418.22

Deutlicher als Ingenieur und weniger als „Handwerker“ schält sich da der Blidenmeister Hans von Ratibor als Festungsbauer und Statiker heraus.

Kaiser Sigmund bat am 3. Februar 1429 den Hochmeister des Deutschordens Paul von Russdorff, ihm möglichst bald für eine kurze Zeit den „Blidenmeister“ Hans von Ratibor zur Anlage von Festungswerken und zum Brückenbau zu schicken.23

Am Anfang des 15. Jahrhunderts läßt sich anhand der unterschiedlichen Quellen eine Spezifikation vom „Handwerker“ über den Ingenieur zum reinen Militär ausmachen, was auch im Zusammenhang mit den neuen, technisch (vorallem chemisch und physikalisch) anspruchsvolleren und deutlich umfangreicher einsetzbaren Feuerwaffen verbunden ist.

Goedekin Volger wurde im Rahmen seiner Erklärung von 1418 zur Anstellung als Büchsenmeister für Köln nicht explizit als Blidenmeister benannt, wohl aber verstand er es, die unterschiedliche Wirkungsart der Büchsen und Bliden deutlich zu unterscheiden: Er kann Feuer in Tonnen mit Bliden in eine Stadt oder ein Schloß werfen und auch dasselbe Feuer mit einer Büchse darein schießen: „Item desselven vuyrs kan hee ouch wale machen in tunnen, die man mit bliden in eyne stat off sloss werpe, ind ouch mit boessen desselben vuyrs darin schiessen …“.24

Conrad Blidenmeister

Das Geschossbuch der Stadt Jena, eine Art Grundsteuerverzeichnis für alle Güter der Stadt, die von der Herrschaft zu Lehen gingen, vermerkt für die Jahre 1406/07, dass „Conrad blydenmeistir“ ein Teilstück eines Weinberges sowie Artland und ein Stück Weg am Mühlberge innehatte. Die Grundstücke lagen am Eingang eines westlich der Stadt gelegenen Seitentales (Mühltal).25 Kurz vor der Nennung waren ihm diese Güter von dem Jenaer Patrizier Friedrich Ledschmann als Unterlehen übertragen worden, wofür er diesem 14 Pfennige Zins entrichten mußte.26 In welchem Verhältnis die beiden Männer darüber hinaus standen, bleibt unklar. Unter den Besitzern eines Siedelhauses in der Stadt – Voraussetzung für das Bürgerrecht – wird Conrad Blidenmeister nicht genannt. Sofern er weitere Immobilien in Jena besaß, waren diese offenbar geschossfrei. Matthias Rupp nimmt an, Conrad könnte in seiner im Beinamen beschriebenen Funktion in direktem Dienst des Landesherrn gestanden und von diesem oder seinem örtlichen Vertreter mit der Wartung, Transport und Einsatzleitung einer in Jena stationierten Blide betraut gewesen sein.27

Ob es sich vielleicht aber nur um einen Nachnamen handelte, bleibt ebenfalls bedenkenswert.

Blidenmacher

1409 zahlt der Meister des Deutschen Ordens einem Blidenmacher von Gotland 6 Mark.28 Weitere Blidenmacher finden sich für Aachen29 und Halle/S.30

Anmerkungen

1RI IV,2,2 n. 804, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1160-01-21_1_0_4_2_2_246_804

2H. Stoob: Helmold von Bosau, Slavenchronik. In: Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 19, Darmstadt 1980, S. 325, Nr. 93.

3 Ottokars Reimchronik, a. a. O., Verse 34237-34255 u. 34263-34264.

4 Christa Baufeld: Kleines frühneuhochdeutsches Wörterbuch, Tübingen 1996, S. . Eigentlich „sagen, sprechen, behaupten“ bei Ottokar aber eher als „schreien“ gemeint.

5Während der aktiven Militärzeit bei der NVA als Artillerist und Richtkanonier einer MT 12 100 mm Panzerabwehrkanone war der Verf. – gleich den mittelalterlichen antwerkern – bei Gefechtsübungen permanent im Dauerstreß, wobei das „Schreien“ der artilleristen aufgrund der psychischen und physischen Anstrengungen gegenwärtig war.

6Der Verf. diente von 1984 bis 1986/I als Richtkanonier der NVA bei der Panzerjägerabteilung in Klietz.

7Bernhard Rathgen: Feuer- und Fernwaffen des 14. Jahrhunderts in Flandern, VII. Band, S. 287

8Bernhard Rathgen: Das Geschütz im Mittelalter, S. 610-638. Rathgen liefert zahlreiche archivalische Quellen, wenngleich seine Aussagen zur Wirkung und Wirkungsweise der Bliden rein theoretisch bleiben und an vielen Stellen korrigiert werden müssen.

9Institut für Stadtgeschichte Frankfurt a. M. Dienstbriefe 1533, Inventare I,30.

10Urkundenbuch der Stadt Goslar und der in und bei Goslar belegenen geistlichen Stiftungen. Zweiter Theil (1251-1300). Bearb. v. Georg Bode, In: Geschichstquellen der Provinz Sachsen und angrenzende Gebiete, Bd. 30, Halle 1896, Nr. 595.

11Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich. Band VIII, S. 230, Nr. 2960; Fischler, Gustav: Über das Vorkommen von Bliden im Gebiete der heutigen Schweiz. In: Anzeiger für schweizerische Altertumskunde. Neue Folge Band 36 (Heft 2), Zürich 1934, S. 125

12Archiv des Historischen Vereins des Kantons Bern, 1926. Bd. 28-30. 200. Bern.

13Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 1932: Bd. 31. 128 (Orig. Perg. StA Zürich, Urkunden Stadt und Land, Nr. 1290). Zürich; Züricherische Jahrbücher von Salomon Hirzel. Erster Band. Zürich 1814, S. 157.

14Nova Alamanniae. Urkunden, Briefe und andere Quellen besonders zur deutschen Geschichte des 14. Jahrhunderts vornehmlich aus den Sammlungen des Trierer Notars und Offizials, Domdekans von Mainz Rudolf Losse aus Eisenach in der Ständischen Landesbibliothek zu Kassel und im Staatsarchiv zu Darmstadt. Hrsg. v. Edmund E. Stengel, Berlin 1930, S. 469, Nr. 719.

16Geschichte der Stadt und der gefürsteten Grafschaft Kempten von den ältesten Zeiten bis zu ihrer Vereinigung mit dem baierischen Staat. Hrsg. v. Johann Baptist Haggenmüller, Kempten 1840, S. 167.

17 UB Stadt Lüneburg II, Nr. 805, S. 167f.

18Rathgen, 293. Rathgen vermutet aufgrund des Felens von Bliden zu dieser Zeit in den Rechungen der Stadt Hildesheim hierin bereits einen Eigennamen.

19Franz Joseph MONE: Über das Kriegswesen vom 13.-17. Jahrhundert in Baden, Bayern, Elsaß, Schweiz, Vorarlberg, Hessen und Rheinpreußen (Fortsetzung). In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Hrsg. v. Franz Joseph Mone (ZGORh 17), Stuttgart 1865, S. 295.

20 Kreisgerichts-Registrator Sack: Die Befestigung der Stadt Braunschweig. In: Archiv des historischen Vereins für Niedersachsen. Neue Folge, Jahrgang 1848, Hannover 1850, S. 23f.

21 Sack, a.a o., S. 22.

22Index corporis historico-diplomatici Livoniae, Esthoniae, Curoniae; oder Kurzer Auszug aus derjenigen UrkundenSammlung welche für die Geschichte und das alte Staatsrecht LivEhst und Kurland’s aus dem geheimen ehemaligen DeutschOrdensArchive zu Königsberg zusammengebracht worden ist etc. Hrsg. v. Carl Eduard Napiersky, Riga u. Dorpal 1833, S. 191, Nr. 813 u. S. 193, Nr. 828.

23 Die Urkunden Kaiser Sigmunds (1410-1437). XI, 2 Regesten Sigmund 1425-1437. Hrsg. v. Wilhelm Altmann. Innsbruck 1897, Nr. 7132 u. 7161.

24 Rathgen, a. a. O., S. 620f. Die Unterscheidung des Werfens mit Bliden und schießens mit den Büchsen findet man auch bei dem Eisenacher Chronisten Johannes Rothe.

25 KOCH, Herbert (1932): Das Geschossbuch der Stadt Jena vom Jahre 1406. Jena, 78. vgl. Matthias Rupp: NNNNN. In: Arfurter Bliden im Einsatz für den Landfrieden. Arnstadt 2018, S.

26die iczund Inne had“ (ebenda.).

27 RUPP wie Anm. 13, 26.

28Max Jähns: Handbuch einer Geschichte des Kriegswesens von der Urzeit bis zur Renaissance: Technischer Theil: Bewaffnung, Kampfweise, Befestigung, Belagerung, Seewesen. 1880, S. 766.

29Thomas R. Kraus (Bearb.), Regesten der Reichsstadt Aachen (einschließlich des Aachener Reiches und der Reichsabtei Burtscheid), Bd. 3., 1351 – 1365, Düsseldorf 1999, S. 426.

30Arthur Bierbach (Bearb.), Urkundenbuch der Stadt Halle, ihrer Stifter und Klöster, Bd. 2 (1301-1350), Quellen zur Geschichte Sachsen-Anhalts, Band 5, Magdeburg 1939, Nr. 531 a, S. 779.


März 26 2026

Runneburg in Weißensee brennt

Meine lieben Burgenfreunde! Liebe Runneburger! Mein Herz brennt! Ich bin den Tränen ausgeliefert! In der letzten Nacht brannte der Marstall unserer geliebten Runneburg in Weißensee! Die Runneburg, die man als großen Bruder der Wartburg bezeichnen kann, zählt zu den bedeutendsten romanischen Burgen in Deutschland und wurde über 20 Jahre vom Runneburgverein erhalten, erforscht und bewirtschaftet. Der frühneuzeitliche Marstall brannte völlig aus, wie man Fotos der Freiwilligen Feuerwehr Weißensee entnehmen kann. 23.08 Uhr erfolgte die Alarmierung. Die großartigen Feuerwehrleute aus der Stadt Weißensee konnten weiteren Schaden von der imposanten und bedeutenden Burganlage abwehren. Auch konnten sie ein Übergreifen des Feuers auf die stadt und ihre Bewohner verhindern. Gott sei Dank kamen keine Menschen zu Schaden. Dafür gebührt Ihnen unser größter Dank und Respekt!!! Jetzt müssen Brandursachenermittler an ihre Arbeit gehen. Euer Ex-Runneburger Michael Kirchschlager
Ich werde in den nächsten Tagen weiter dazu berichten! Wenn Ihr Bildmaterial habt, schickt es mir bitte auf burgvogt@deutsche-burgen.org Herzlichsten Dank, liebe Freunde! Bitte teilt dieses Bilder. Ich danke schon für Eure Einsendungen.

Filmdokumentationen findet Ihr auf unserem Instagram-kanal deutscheburgenvereinigung oder burgvogt_der_Marksburg.


Feb. 12 2026

Leipziger Buchmesse vom 19. bis 22. März 2026 Verlag Kirchschlager Halle 4 D 102

Liebe Freunde! Ihr findet unseren Verlag auch dieses Jahr wieder in Halle 4 D 102. Am Samstag erwarten Euch zahlreiche Autoren an unserem Stand: Sara Doll, Janis Weißheit, Hans Thiers, Frank Esche und meine Wenigkeit. Es gibt wieder Bücher zu kaufen und Ihr könnt Eure Bücher signieren lassen. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Euch und vielen anderen tollen Leuten!

Neuerscheinungen gibt es auch wieder! „Wohl gerichtet“ von Sara Doll u. a.; „Thüringer Mord-Pitaval IV“ von Frank Esche und „Der lebende Tote“ von Lutz Harder.


Aug. 10 2025

Aus der Verlagsgeschichte: Unser 1. Bestseller „Historische Serienmörder Band I“

In diesem Jahr begehen wir als Verlag unser 30jähriges Jubiläum. Aus diesem Grund gibt es immer mal ein paar „Verlags- und Buchhistorien“. Heute ein paar Bemerkungen zu unserem Long-Bestseller „Historische Serienmörder I“ (bislang über 12.000 verkaufte Exemplare). 2007 gab ich diesen Band heraus, mit dem Kriminalisten und Sachbuchautor Stephan Harbort (Vorwort) und dem Kriminalbiologen und Sachbuchautor Dr. Mark Benecke (Nachwort) als Co-Autoren.

Der Titel gehört mittlerweile zu unserer Backlist und schaffte es 2009 Dank der Wissenschaftssendung „Planet Wissen“ auf die Amazon Top 1.000 Bestsellerliste (mittlerweile 4,7 von 5 Sternen und 118 Bewertungen). Jack der Aufschlitzer ist nicht dabei, dafür aber die schrecklichsten Serienmörder Europas, die bislang völlig unbekannt waren, wie z. B. Cristman Gniperdolinga, der fast 1000 Menschen ermordet haben soll. Melchior Hedloff, die Lehmann-Familie und v. a. Auch Serienmörderinnen sind dabei, bekannte (darunter die Gesche) wie unbekannte (Saltykowa, eine russische Elisabeth Bathory). Der Band wird weiterhin als Hardcover herausgegeben, bei einem stabilen Preis von nur 22 Euro (!!!) und zahlreichen Abbildungen. Wenn Ihr mir helfen wollt, ihn weiterhin auf vorderen Plätzen zu halten, würde ich mich über eine Rezension oder Bewertung bei Amazon herzlichst freuen! https://www.amazon.de/Historische-Serienm%C3%B6rder-Michael-Kirchschlager/dp/3934277136/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=9HASWRDGY12J&dib=eyJ2IjoiMSJ9.eEkX6a1XmmAkeuFeKxySW0MASjShaaLkqJ4k9HwBoDvguOYz-xpxAUniVduVydxJIYoFYM_qLSlIIAAABeznw2_OOLWwXdhZu3GKfkMpHMjLNu6gXWhoUajy1LF0tVMnsVmnMRAaofMslV5QG3pZfKjdHDgMUmp8VFDEDZ4qo9PlGoMRk2a0w3UzV9j4qkvt8r3xx8efjtmkZ9J_kD6Jlq2RKEV6c7nch5lypv0Wa3Q.m5T-7IAwK-pW6Zh_lep9FCFgZKXObIGADHVmPUOlp8E&dib_tag=se&keywords=historische+serienm%C3%B6rder&qid=1754811731&s=books&sprefix=historische+serienm%C3%B6rder%2Cstripbooks%2C92&sr=1-1

Danke! Euer Michael Kirchschlager


Juli 21 2025

Projektstart mit den Europeen heritage volunteers auf der Marksburg 2025

Heute startete unser Projekt zur Inwertsetzung der Marksburg mit zwölf jungen Leuten und unseren Helfern Annika aus Braubach und Yannic aus Arnstadt.


Juni 23 2025

Reise ins Mittelalter – Erfolgreichreiche Projektwoche mit abschließendem Schulfest an der Grundschule Dachsenhausen

Burgvogt Michael im Einsatz für die Deutsche Burgenvereinigung e. V.

In der Woche vom 10.06.-13.06.2025 erlebten die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Dachsenhausen eine ganz besondere Projektwoche: Die Kinder begaben sich auf eine spannende Zeitreise in das Leben des Mittelalters und tauchten ab in die Welt der Ritter und Burgen. Die gesamte Schule verwandelte sich in dieser Woche in eine mittelalterliche Umgebung. In klassenübergreifenden Projekten von Klasse 1 bis 4 konnten die Kinder unterschiedliche Facetten des Mittelalters hautnah erleben. Auch die Vorschulkinder des Kindergarten Bimmelbahn aus Dachsenhausen sowie der Kita Wunderland aus Frücht waren mit dabei und konnten so schon mal ein wenig Schulluft schnuppern.
Die Idee zu dieser grandiosen Projektwoche hatte Michael Kirchschlager, Burgvogt der Marksburg in Braubach, der die Kinder und das Kollegium im Mai 2024 auf der jährlichen Lesenacht mit auf eine Reise seines Drachen Emils nahm und alle damit begeisterte.

Eine der sechs Steinburgen mit dickem Rundturm.

Am 10.06.2025 startete die Projektwoche direkt mit einem Highlight. Gemeinsam fuhr die gesamte Schulgemeinschaft zur Marksburg nach Braubach. Begrüßt wurden die Schülerinnen und Schüler von Ritter Michael und seinem Team im mittelalterlichen Gewand. Gruppenweise erklommen die Kinder den steilen Weg hoch zur Burg. Oben angekommen, durfte eins natürlich nicht fehlen – eine Geschichte des Drachen Emils. In beeindruckender Weise gab Herr Kirschlager im großen Festsaal der Marksburg ein weiteres Abenteuer des Drachen Emils zum Besten, bevor die Besichtigung losging. Die historische Burg bot den Kindern einen faszinierenden Einblick in das mittelalterliche Leben und war somit der perfekte Startschuss in die mittelalterliche Projektwoche.

An den restlichen Tagen ging es mit den vielfältigen Projektangeboten weiter. Doch bevor die Arbeit in den Gruppen losging, nahm Michael Kirchschlager die Kinder jeden Morgen zum Einstieg mit auf ein weitere Reise des Drachen Emil.

In der Kreativwerkstatt wurde fleißig genäht und getöpfert. Es entstanden wunderschöne Taschen, Beutel, Tonkrüge und Tic-Tac-Toe Spiele. Beim Burgenbau konnten die Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Mit Natursteinen, Schiefer und Mörtel entstanden tolle und ganz unterschiedliche Burgenmodelle. In der mittelalterlichen Küche wurde geschnippelt, gebrutzelt und natürlich auch verkostet. Rübenmus, Haferbrei und Eintopf wurden auf offenem Feuer gekocht. Damit die Gerichte auch nachgekocht werden können, wurden die Rezepte mit Feder und Tinte auf mittelalterlichem Papier festgehalten. Wie sahen die Wappen früher aus? Was für Figuren und Zeichen wurden abgebildet und was hatten sie für eine Bedeutung? Mit diesen Fragen setzten sich die Kinder im Wappen und Schilde Projekt auseinander und stellten, ausgestattet mit Laubsäge, Holz und Farbe, ihr eigenes Schild her. In der Restaurierungswerkstatt wurde geölt, poliert und gesäubert. Echte Helme, Schwerter und Lanzen erstrahlten im neuen Glanz. Darüber hinaus erfuhren die Kinder von Projektleiter Michael Kirschlager eine Menge Informationen über die einzelnen Exponate. In der gesamten Woche hatten die Kinder außerdem Zeit ein Bild der Marksburg zu malen. Dabei sind wunderschöne Kunstwerke entstanden, die nun auf der Marksburg begutachtet werden können.

Den krönenden Abschluss der Projektwoche bildete das Schulfest, am 14.06.2025, an dem die Ergebnisse der verschiedenen Projekte stolz präsentiert und bestaunt wurden.
Den Startschuss zu unserem Sommerfest gab Schulleiter Patrick Bender, der die Gäste, unter anderem Verbandsbürgermeister Mike Weiland, Ortsvertreter Achim Hohl sowie Sylvia Schmidt und Kai Wernicke und Michaela Vary von der deutschen Burgenvereinigung, bei bestem Wetter Willkommen hieß und sich in seiner Rede schon einmal bei allen Mitwirkenden bedankte. Mit einem mittelalterlichen Gedicht sorgte Schülersprecher Niklas Kohl für den ein oder anderen Lacher. Die musikalische Begleitung übernahm Helmut Knopp mit der Gitarren-AG der Grundschule Dachsenhausen, die mit der Unterstützung der gesamten Schulgemeinschaft mittelalterliche Lieder zum Besten gab.
Nun konnte das Schulfest starten. Im Außenbereich der Schule gab es zahlreiche Angebote für die Kinder, die von den Familien und Besuchern begeistert angenommen wurden. Bei einer von der Betreuung vorbereiteten Glücksrad-Aktion gab es attraktive Sachpreise zu gewinnen. Die Hüpfburg der Firma Fun Production sorgte bei den Kindern für große Begeisterung. Ebenso wurden die Mitmachangebote, welche unter anderem die Herstellung von Lederbeuteln, das Bemalen von Schwertern und Schilde und die Buttonmaschine beinhalteten, sehr gut angenommen. Auch der Wald und Wiese Verein aus Dachsenhausen bereicherte das Schulfest mit einem Kräuterlimostand, einem mitgebrachten Barfußpfad sowie der Möglichkeit zum Armbänder knüpfen. Mit einem Schminkstand verzierte die Showtanzgruppe „Echte Fründe“ aus Dachsenhausen die Gesichter der Kinder mit verschiedenen Motiven und ganz viel Glitzer.
An der Kuchentheke, am Würstchenverkauf und am Getränkestand sorgten zahlreiche fleißige Helferinnen und Helfer für das leibliche Wohl der Besucher. Herzlichen Dank an alle, die bei der Planung, beim Auf- und Abbau und bei der Umsetzung des Festes mitgewirkt haben, insbesondere dem Schulelternbeirat der Grundschule Dachsenhausen. Ein großer Dank geht außerdem an den Förderverein der Grundschule Dachsenhausen, ohne dessen finanzielle Unterstützung die Projektwoche sowie das Schulfest nicht hätte stattfinden können, an die deutsche Burgenvereinigung, vor allem an Michael Kirschlager, für den Besuch der Marksburg, die Durchführung der Projektwoche, die Autorenlesungen, die gespendeten Preise fürs Glücksrad sowie die gesponserten Thüringer Bratwürste, an Ute Bernardy, Ute Bräunlich und Diandra Dillmann für die Unterstützung in der Projektwoche, an den Globus Baumarkt in Lahnstein, der die Grundschule mit Sachspenden im Wert über 200 Euro unterstützte, an Jacqueline von Tippelskirch, die die Kreativwerkstatt über die Firma Zschimmer und Schwarz mit Leder für die Projektwoche ausstattete und an den DM Markt Nastätten sowie den Hagebaumarkt für weitere Sachspenden im Zuge der Glücksrad-Aktion.

Die Projektwoche und das Schulfest war für alle Beteiligten ein riesiger Erfolg und wird noch lange in Erinnerung bleiben.

Patrick Bender 


Mai 13 2025

Burgvogt der Marksburg

Liebe Freunde! Inzwischen bin ich – wie Ihr sicherlich wißt – Burgvogt der Marksburg. Gestern entstand diese witzige Aufnahme von mir: ich hatte mal wieder das Bedürfnis meinen Ringpanzer anzulegen. Demnächst bin ich nämlich wieder in Aktion. So auf dem Rheinland-Pfalz-Tag in Neustadt an der Weinstraße vom 23. bis 25. Mai 2025 und zu einem großen Mittelalterprojekt an der Grundschule in Dachsenhausen.


Feb. 24 2025

30 Jahre Verlag Kirchschlager aus Arnstadt in Thüringen